Leserbrief zum sogenannten Dieselskandal

Von unserem Mitglied Dr. Günther Medicus, veröffentlicht in der Torgauer Zeitung am 8. März 2018.

Die Torgauer Zeitung veröffentlichte kürzlich ein paar Artikel zum Dieselskandal und zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur Durchsetzbarkeit von Dieselfahrverboten. Auch in den zwei wichtigsten Talk-Shows der letzten Woche wurde das Thema heiß diskutiert. Durch eigene Erfahrung weiß man, dass vor allem viele Pendler und kleine Handwerksbetriebe auf ihr Diesel-Fahrzeug aus finanziellen Gründen nicht verzichten können und sich nun bedroht fühlen. Denn der Diesel als ein Spitzenprodukt deutschen Erfindergeistes hat durch seine im Vergleich zu anderen Antriebsarten viel höhere Energie-Effizienz und niedrigere Emissionen ein großes Potential, den Geldbeutel des kleinen Mannes und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

Fest steht, dass es die Öko-Lobbyisten in Deutschland und Europa 2008 schafften, mit ihrer Maxime „so niedrig wie möglich“ extrem niedrige, toxikologisch nicht zu begründende NOx-Grenzwerte in den gesetzlichen Vorschriften zu verankern. Der nunmehr für die Außenluft gültige NO2-Grenzwert von 40μg/m3 beträgt nur etwa ein Vierundzwanzigstel der maximal zulässigen Arbeitsplatzkonzentration (MAK) von 950μg NO2/m3. Das heißt, man hat bei Einhaltung des MAK-Wertes selbst bei andauernder
Beschäftigung nicht mit gesundheitlichen Schädigungen zu rechnen. Neuere Untersuchungen ergaben, dass sogar erst ab 8000μg NO2/m3 mit Atemwegsreizungen zu rechnen ist. Detailliertere Erläuterungen finden sich in dem unten zitierten Leserbrief von Prof. Dr. Dr. Hans E. Müller aus Braunschweig. In den USA hatte man 2015 festgestellt, dass die für VW-Dieselfahrzeuge garantierten NOx-Grenzwerte nicht eingehalten wurden. Formaljuristisch hatte man recht und jetzt bot sich eine Gelegenheit, Ent-
schädigungen in Milliardenhöhe zu kassieren. Die resultierende Rufschädigung von VW als Konkurrenten lag auch ganz im Interesse der USA. Dieser massiven Diesel-Verteufelung schloss man sich in Deutschland aus fragwürdigen Motiven nur allzu gerne an. Statt ehrlich über die Situation zu debattieren und eventuell eine Revision der jetzigen absurd niedrig festgelegten NOx-Grenzwerte durchzuführen, missbrauchen die Öko-Lobbyisten und die von ihnen getriebenen Politiker nun lieber ihre Macht, um die Autoindustrie in die Enge zu treiben und einen neuen Angriff auf den Geldbeutel der Bevölkerung zu starten. Nach meiner Überzeugung geht es bei der Diesel-Diskussion in Deutschland doch nur darum, die Elektro-Mobilität voranzutreiben. Man weiß genau, dass damit sehr viel Geld zu verdienen ist:

1. Die Preise für Elektro-Autos sind etwa 30% höher.

2. Die Batterien haben eine beschränkte Lebensdauer und kosten jedes Mal bis zu 10.000 Euro.

3. Die Stromkosten für PKW betragen etwa 20 Euro pro 100 km und sind damit mindestens doppelt so hoch wie die Treibstoffkosten bei Verbrennungsmotoren, was seine Ursachen in den hohen Abgaben und Umlagen hat, die auf dem Strom liegen und

4. man braucht noch weitere Aufschläge, um die fehlende Lade-Infrastruktur zu finanzieren.

Die neue Regierung sollte sich aus den genannten Gründen mit der Diesel-Problematik unbedingt noch einmal auseinandersetzen und zeigen, dass man es ernst meint mit einer politischen Neuorientierung und zukünftig mehr Rücksicht auf die Bevölkerung nehmen will. Diese leidet sowieso schon unter vielen finanziellen Repressionen, wie sehr hohe Steuern und Abgaben, überhöhte Energiepreise, Inflation, Enteignung durch Nullzinspolitik, Niedriglöhne, Niedrigrenten usw. Den Öko-Lobbyisten, die vor allem aus wirtschaftlichem Eigeninteresse die kostengünstigen Verbrennungsmotoren weghaben wollen, sollte man entgegentreten. Man munkelt schon, dass die nächste Attacke dem Benziner gelten wird.

Zitat des Leserbriefes, den Prof. Dr. Dr. Hans E. Müller aus Braunschweig unter dem Titel „Verlogene Diskussion“ in der JF am 08. September 2017 veröffentlichte und der die sachlichen Argumente liefert:

„Die von Dieselmotoren gebildeten Stickoxide (NOx) – Distickstoffmonoxid (N2O), Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) – werden vom politisch-medialen Komplex als Gesundheitsgefahr hingestellt, die jährlich viele tausend Todesfälle verursachen würden. Das ist nicht wahr. Tatsächlich ist lediglich das Stickstoffdioxid (NO2) gesundheitsschädlich. Es macht in den Dieselabgasen zehn bis dreißig Prozent aus, und sein MAK-Wert beträgt 950 Mikrogramm/m3. Diese „maximale Arbeitsplatz-Konzentration“ soll in einem Acht-Stunden-Tag nicht überschritten werden. Sie garantiert, dass darunter keine Gesundheitsschäden auftreten, sondern erst bei deutlich höheren Konzentrationen. Die restlichen siebzig bis neunzig Prozent der Dieselabgase sind Stickstoffmonoxid (NO) und das Lachgas Distickstoffmonoxid (N2O). Ersteres ist zwar eine körpereigene Substanz, womit der Organismus verschiedene Funktionen reguliert. Unter Umständen oxidiert es zu Stickstoffdioxid. Sein MAK-Wert beträgt 630 Mikrogramm/m3. Da der entsprechende, auf europäischer Ebene erarbeitete SCOEL-Grenzwert für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz auf auf 2.520 Mikrogramm/m3 festgesetzt wurde, beweist, dass bei der vom Diesel freigesetzten Stickoxid-Konzentration noch keine Gesundheitsgefahr existiert.

Unabhängig von diesen toxikologisch gesicherten Grenzwerten wurde 2008 von der EU für Stickstoffdioxid ein seit 2010 einzuhaltender Immissonsgrenzwert von 40 Mikrogramm/m3 ohne jede toxikologische Begründung und nur nach dem Motto „so wenig wie möglich“ verordnet, seither jede Überschreitung als Gesundheitsgefahr beschworen und mit vielen tausend Toten untermalt. So erlaubte die Euro-Norm 3 immerhin noch 500 Mikrogramm/m3, während die heutige Euro-Norm 6 lediglich noch 80 Mikrogramm Stickoxide pro Kubikmeter erlaubt. Diese Diskrepanz zwischen wissenschaftlich gesicherten und den auf EU-Ebene politisch gewünschten Grenzwerten beweist die Verlogenheit der jetzigen Diskussion“.

Prof. Dr. Dr. Hans E. Müller, Jahrgang 1930, ein Chemiker und Mediziner, war als wissenschaftlicher Assistent
in Mainz, Bochum, Göttingen und Bonn tätig.